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Lauf nach
Santiago de Compostela Es ist Samstag früh, 08.30 Uhr. An der TSV Sporthalle in Hollstadt treffen Läufer des Vereins ein. Hinzu kommen vier Begleiter mit zwei zum Schlafmobil umgerüsteten Kleintransportern. Es ist soweit! Die zweite Etappe auf dem Weg nach Santiago de Compostela steht bevor. Im letzten Jahr begab sich die Läufergruppe von Hollstadt aus auf den Weg nach Santiago de Compostela. Im ersten Abschnitt wurde im Nonstop-Staffellauf Bouxwiller im Elsass erreicht. Von dort soll in diesem Jahr bis zur spanischen Grenze in den Pyrenäen gelaufen werden. Über 1000 Kilometer Frankreich liegen vor der Gruppe. Der Herausforderung stellen sich Willi Heitel, Burkhard Fuchs, Charly Schneyer, Uli Schmitt, Tanja Dietrich, Rupert Bamberger, Dietmar Werner sowie Horst Friedl vom TSV Höchheim. Als Fahrer und Navigatoren stellen sich Heidi Schmitt, Rene Bamberger, Wolfgang Dietrich und Sebastian Fuchs zur Verfügung. Nach der sechsstündigen Anfahrt läuft Charly Schneyer gegen 14.45 Uhr in Bouxwiller an. Im Vorfeld hatte man sich eine Route ausgesucht die sich an öffentlichen Straßen orientierte. Die Hauptrichtung war Südwest. In direkter Linie soll die Strecke über das französische Zentralmassiv nach Bayonne/Biarritz führen. Dort sollen die Pyrenäen in ihren westlichen Ausläufern überlaufen werden. Die Gruppe wird auf die beiden Begleitfahrzeuge aufgeteilt. Jede Gruppe soll im Wechsel vier Stunden laufen. Dies bedeutet für jeden Läufer zwischen zehn und dreizehn Kilometer - dreimal täglich. Da man über keine Ortskenntnisse und ebenso wenig Sprachkenntnisse verfügt, ist der Kontakt per Handy die einzige Sicherung für den auf sich gestellten Läufer. Die von Willi und Uli gut vorbereite Route sorgt für ein flottes Vorankommen. Die Fahrer und Begleiter weisen die Läufer vor dem Start in die kommende Strecke ein. In den Städten wird an den neuralgischen Punkten das Begleitfahrzeug rechtzeitig platziert sodass der Läufer durch den Großstadtdschungel navigiert werden kann. Zwischen den Einsätzen müssen sich die Teams verpflegen, den neuen Wechselpunkt suchen und möglichst eine Mütze Schlaf nehmen. Probleme tauchen bei der Verpflegung auf. Das Team welches um 22.00 Uhr mit dem Laufen fertig war und neue Kräfte für den Nachtlauf ab 02.00 Uhr tanken will findet keine Gaststätte da kein Lokal nach 22.00 Uhr noch etwas Essbares auf den Tisch bringen kann – oder will? Als Deutscher hat man es in Frankreich manchmal nicht leicht. Die letzten essbaren Reste aus dem Begleitfahrzeug müssen herhalten um für die Nacht noch ein paar Körner Kraft aufzunehmen. Beim Frühstücken das gleiche Bild. Straßencafes oder Bäckereien mit Kaffeeangebot – Fehlanzeige. Wie gut dass man für den ersten Tag einen Käsekuchen von der Bäckerei Roos geschenkt bekam. Die Verpflegungstaktik muss umgestellt werden. Rechtzeitig besorgen sich die Teams entsprechende Vorräte in den Supermärkten und frühstücken im „Wohnmobil“ – leben wie Gott in Frankreich? Je weiter südlich die Gruppe kommt, desto heißer werden die Tagesetappen. Das Thermometer zeigt 34 Grad im Schatten, die Sonne zieht die letzten Wasservorräte aus dem Körper. Team 1 stellt die Taktik um. Die Stundenläufe werden halbiert, die Einsätze dafür verdoppelt. Das gibt die Möglichkeit sich zwischenzeitlich im Begleitfahrzeug etwas abzukühlen – alle freuen sich bereits auf die Nachteinsätze bei angenehmen Temperaturen um die 15 Grad – welch eine Wohltat. Spanien soll am Mittwoch, möglichst vor Einbruch der Dunkelheit erreicht werden. Nach 72 Stunden ununterbrochenem Lauf liegt man sehr gut im Zeitplan. Die Gruppe gönnt sich daher eine Laufpause von vier Stunden um der größten Mittagshitze zu entgehen und einmal mehr als zwei bis drei Stunden Schlaf zu finden. In der Zwischenzeit haben auch die Begleiter Heidi Schmitt, Wolfgang Dietrich und Sebastian Fuchs die Lust des Laufens entdeckt und übernehmen die ein oder andere Teilstrecke oder begleiten einen Läufer. Nur Rene Bamberger bleibt bei seiner Aussage: „Ich laufe keine Meter!“ Dennoch sollte er noch zu seinem Einsatz kommen. Es ist Mittwoch, die Läufer nähern sich Bayonne, der französischen Großstadt nahe der spanischen Grenze. Am Zusammenfluss von Adour und Gaves Reunis wird die geplante Route kurz entschlossen abgeändert. Ein Durchschwimmen des Flusses spart einige Kilometer – Rene Bamberger, der erfahrene Rettungsschwimmer ist begeistert. Diesen Einsatz lässt er sich nicht nehmen. Sofort erklärt sich auch Wolfgang Dietrich bereit und beide überwinden die einen Kilometer Lange Schwimmdistanz. Nach diesem Erlebnis gleich die nächste Herausforderung. Bayonne, eine Großstadt, im dichtesten Berufsverkehr zu durchqueren. Auch das gelingt und der Einstieg in die Pyrenäen kann beginnen. Die spanische Grenze ist nahe, noch ein letzter Pass und Spanien ist erreicht. Diese letzte Etappe wird gemeinsam von allen Läufern übernommen. Zusammen trifft man glücklich und etwas müde in Bera Vera in Spanien ein. Nach einer ausgiebigen Dusche und einer langen Nacht auf dem Campingplatz ist die Truppe am nächsten Morgen wieder topfit. Bevor die Heimreise angetreten wird gönnt man sich noch ein Bad im Atlantik am Strand von San Sebastian. Zuletzt noch ein Besuch von Lourdes bevor man sich auf die 1600 Kilometer lange Reise nach Hause begibt. Bei einem gemütlichen Abschlussessen im Hof von Burkhard werden bereits die ersten Pläne für die letzte Route von Bera Vera nach Santiago geschmiedet.
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